Interview mit dem BEG Kraichgau-Team // Sinsheim, 12.01.2025
Jahresrückblick aus der BEG Kraichgau: Energiewende 2025 im Kraichgau
Nachgefragt bei Holger Steuerwald (Vorstandsvorsitzender) und Simon Pfau (Leitung Projektmanagement & Anlagenbetrieb)
2025 war für die BEG Kraichgau ein Jahr mit viel Bewegung: Wir haben Projekte vorangebracht, neue Partnerschaften aufgebaut und wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Gleichzeitig war es ein Jahr, das uns gefordert hat – wirtschaftlich, politisch und organisatorisch.
Im Gespräch blicken Holger Steuerwald und Simon Pfau ehrlich auf das vergangene Energiewendejahr zurück und geben einen Ausblick auf 2026.
Rückblick 2025 – Ein Jahr des Wachstums
Holger, wenn du auf 2025 zurückblickst: Welche Entwicklungen haben die BEG Kraichgau besonders geprägt?
Holger Steuerwald:
Ganz klar: das enorme Vertrauen aus der Bürgerschaft. Über 300 neue Mitglieder und fast eine Million Euro Eigenkapitalzuwachs allein im Jahr 2025 – das ist für uns ein All-Time-High. Und es ist ein starkes Signal: Die Menschen im Kraichgau sehen ihre BürgerEnergieGenossenschaft, die BEG Kraichgau, als einen der zentralen Akteure der regionalen Energiewende.
Diese Unterstützung bestätigt unseren Weg und unsere Strategie sehr deutlich.Ein weiterer emotionaler Höhepunkt war unser 15-jähriges Jubiläum. Das Fest mit Mitgliedern, Partnern, Kommunen und politischen Vertreterinnen und Vertretern hat gezeigt, wie viel bürgerschaftliches Engagement für die Energiewende hier über Jahre gewachsen ist.
Und fachlich war 2025 ein Jahr, in dem wir gezeigt haben, dass wir die ganze Bandbreite der Energiewende beherrschen: Aufdach-PV, Freiflächen, Agri-PV – und für mich persönlich auch ganz klar der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Viele kleine Projekte, aber mit großem Potenzial, gerade bei AC-Ladesäulen. Entgegen vieler Vorurteile sind diese wirtschaftlich betreibbar – vor allem in guter Zusammenarbeit mit den Kommunen.
Ziele erreicht – und übertroffen?
Womit hat die BEG Kraichgau ihre Jahresziele erreicht oder sogar übertroffen?
Holger Steuerwald:
Mit einem Zubau von knapp 1.200 kWp Photovoltaik Kapazität auf kommunalen Dächern haben wir unser Ziel deutlich übertroffen.
Auch bei der Ladeinfrastruktur haben wir deutlich mehr erreicht als geplant: 29 neue oder übernommene Ladepunkte im Kraichgau – das hat unsere Erwartungen übertroffen.
Zahlen, Daten, Einordnung
Simon, kannst du die Entwicklungen 2025 einmal aus Zahlenperspektive einordnen?
Simon Pfau:
Gerne. Bei der Aufdach-PV sind wir von 1,7 MWp auf 2,9 MWp installierte Leistung gewachsen. Insgesamt haben unsere Anlagen über 2 GWh Solarstrom erzeugt – nach zwei eher schwächeren Jahren war 2025 wieder ein gutes PV-Jahr.Besonders freut mich, dass wir erstmals Projekte in Graben-Neudorf, Hambrücken, Forst und Ubstadt-Weiher realisieren konnten – und natürlich der weitere Ausbau in Kronau und Bad Rappenau.
Bei der Ladeinfrastruktur sind wir von 37 auf 66 Ladepunkte gewachsen. Das zeigt klar: Kommunen und Bürgerinnen und Bürger nehmen das Angebot sehr gut an. Mit steigender Zahl an E-Fahrzeugen wächst der Bedarf an vielen, gut verteilten Ladepunkten – gerade im ländlichen Raum.
Unsere Rolle ist dabei oft, bestehende Ladepunkte zu übernehmen und dauerhaft zu sichern. Auch die Entwicklung im Bereich E-Fahrzeug-Vermietung (nextmove) ist sehr erfreulich – das Interesse wächst sowohl privat als auch im geschäftlichen Umfeld.
Optimierter Anlagenbetrieb durch besseres Monitoring
Simon Pfau:
Gerne. Bei der Aufdach-PV sind wir von 1,7 MWp auf 2,9 MWp installierte Leistung gewachsen. Insgesamt haben unsere Anlagen über 2 GWh Solarstrom erzeugt – nach zwei eher schwächeren Jahren war 2025 wieder ein gutes PV-Jahr.Besonders freut mich, dass wir erstmals Projekte in Graben-Neudorf, Hambrücken, Forst und Ubstadt-Weiher realisieren konnten – und natürlich der weitere Ausbau in Kronau und Bad Rappenau.
Bei der Ladeinfrastruktur sind wir von 37 auf 66 Ladepunkte gewachsen. Das zeigt klar: Kommunen und Bürgerinnen und Bürger nehmen das Angebot sehr gut an. Mit steigender Zahl an E-Fahrzeugen wächst der Bedarf an vielen, gut verteilten Ladepunkten – gerade im ländlichen Raum.
Unsere Rolle ist dabei oft, bestehende Ladepunkte zu übernehmen und dauerhaft zu sichern. Auch die Entwicklung im Bereich E-Fahrzeug-Vermietung (nextmove) ist sehr erfreulich – das Interesse wächst sowohl privat als auch im geschäftlichen Umfeld.
Operative Herausforderungen – Wachstum tut auch weh
Holger, wo lagen 2025 die größten Herausforderungen?
Holger Steuerwald:
Ganz offen: Unser Erfolg ist gleichzeitig auch eine große Herausforderung. Wachstum verursacht auch Wachstumsschmerzen. Große, komplexe Projekte benötigen bereits in der Planungsphase viel Kapital – lange bevor sie Erträge abwerfen.
Unsere Ausgaben und Dividendenzahlungen müssen wir darauf ausrichten.Um unsere Wachstumsstrategie fortzusetzen, brauchen wir auch künftig Kapital aus der Bürgerschaft. Nur so können wir weiter in Bürgerenergie investieren und die Energiewende aus der Region heraus gestalten.
Politik, Regulierung und Mythen
Welche externen Faktoren (politisch, regulatorisch, wirtschaftlich) haben uns besonders beschäftigt?
Holger Steuerwald:
Die angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland und auch die instabile Geopolitik verunsichern die Menschen und verhindern ein mutiges Vorwärtsschreiten bei der Energiewende. Bisher lässt auch die aktuelle Bundesregierung eine klare Richtung in Verbindung mit den entsprechenden Anreizen vermissen.
Bei Teilen der Bevölkerung kommt dann leider an, dass die hohen Strom- und Wärmeenergiepreise Folgen der Förderungen für die Energiewende sind. Anhand des PV-Stromüberschuss im Sommer, stillstehender Windräder und dem Abschalten atomarer oder fossiler Kraftwerke werden immer noch zu viele Mythen kolportiert. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Erzeugungskosten für erneuerbaren Strom sind günstiger als durch jede fossile Quelle und durch immer wirtschaftlichere Großspeicher werden auch die Erneuerbaren grundlastfähig.
Holger Steuerwald:
Das Bürger.Windpark-Projekt am Lammerskopf bot und bietet viel Lernpotenzial.
Als ob die Rahmenbedingungen nicht schon komplex genug gewesen wären, so haben immer weitergehende Forderungen bei den naturschutzrechtlichen Gutachten nachzulegen, die Kosten nach oben getrieben. Zu guter Letzt hat dann die Verbandsversammlung trotz bester Windhöfigkeit und Rückenwind durch die Gutachten, den Lammerskopf nicht in den Regionalplan aufgenommen. Einen politischen Willen zum Ausbau der Windenergie in der Region stelle ich mir anders vor.
Jetzt gilt es, den Plan B – nämlich die Umsetzung der Windräder auf Heidelberger Gemarkung – auszuarbeiten. Heißt aber auch, zusätzlicher Aufwand in Form von Zeit und Kosten.
Zusammenarbeit & Netzwerke
Wie wichtig waren Kooperationen in 2025?





















